Saarpfalz-Anzeiger - page 8

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Nr. 13/2020
Homburger Zeitung
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Aktuell liegt das gesellschaftliche
Leben in der Kreisstadt Homburg
und im Umland am Boden.
Deutschland und andere Natio-
nen befinden sich im Krieg gegen
Covid-19. Appelle an Gemein-
schaftssinn und solidarisches
Handeln sind an der Tagesord-
nung. Das war vor 75 Jahren nicht
anders. Damals lag die Stadt je-
doch in Schutt und Asche, und so
fruchteten die Appelle an die Soli-
darität schnell auf der Basis exis-
tenzieller Furcht.
Nach den schrecklichen Bomben-
angriffen – zuletzt am 14. März –
standen die Menschen zusam-
men, machten sich an den Wie-
deraufbau ihrer Stadt und akti-
vierten das Leben darinnen. An
die damaligen Ereignisse wollte
die Stadtverwaltung Homburg
zwar am 14. März mit einer Ge-
denkveranstaltung auf dem Hom-
burger Ehrenfriedhof erinnern,
doch musste diese wegen der Co-
rona-Krise abgesagt werden. Ge-
schichte ist aber Geschichte und
will erinnert werden.
VOR 75 JAHREN IMMÄRZ:
Bombenangriffe hatten verheerende Folgen für Homburg − Gedenkfeiern wegen Corona abgesagt
Mitten in der Krise Erinnerungen an eine andere Katastrophe
Der letzte Weltkriegsmonat, der
März 1945, markiert das dunkels-
te Kapitel der Stadtgeschichte.
Sechs Bombenangriffe wurden
auf die Stadt geflogen: Am 1., 2.,
5., 10., 13. und zuletzt am 14.
März. Schon imMai 1944 hatte es
einen Bombenangriff der Alliier-
ten auf das Stadtzentrum gegeben.
Ab September griffen immer wie-
der Jagdbomber an und machten
mit ihren Bordwaffen gezielte Jagd
auf Menschen. Im Februar und
März deutete Kanonendonner da-
rauf hin, dass der Westwall durch-
brochen war und die Alliierten nä-
her rückten.
Das bekamen die Homburger
dann im März deutlich bei den
Bombardierungen zu spüren. Am
14. März markierte eine Vorhut
den Himmel über der Stadt mit ei-
nem Leuchtschirm, die sogenann-
ten „Christbäume“. Danach ent-
luden 161 britische Bomber bin-
nen einer halben Stunde 450
Tonnen Bombenmaterial über
dem Stadtgebiet. „Die Erde bebte,
es brannte an allen Ecken. Die
Straßen waren mit Bombentrich-
tern übersät; viele Häuser stürzten
ein und begruben Tote und Ver-
letzte. Die Schreckensnacht for-
derte 226 Todesopfer und 100 Ver-
wundete. Die Stadt glich einem
Trümmerhaufen.
In allen Bunkern herrschte Todes-
angst und viele lernten wieder zu
beten“, schreibt Homburgs Alt-
Oberbürgermeister Reiner Ulm-
cke in seinem Buch „Homburg –
Vergangenheit und Gegenwart“.
Bei den insgesamt 37 Fliegeran-
griffen zwischen Mai 1944 und
März 1945 habe es nach amtli-
chen Verlautbarungen 529 Tote
gegeben: 336 Zivilisten, 120 Sol-
daten und 73 Ausländer. 350
Menschen wurden verletzt.
Von 3.270 Wohn- und Geschäfts-
häusern wurden 1.790 Gebäude
leicht und 729 schwer beschädigt
oder total zerstört. Dreiviertel der
200 Fabrikgebäude waren un-
brauchbar Schulen, öffentliche
Gebäude und Kirchen zu 90 Pro-
zent getroffen. Neben der Einseg-
nungshalle auf dem Homburger
Zentralfriedhof ruhen jene Men-
schen, denen die Bombenangriffe
das Leben nahmen. Ein Mahn-
mal, steinerne Kreuze und Dut-
zende von Erinnerungsplatten
und Gedenksteinen geben jenen
Homburgern die Ehre. An diesem
Ort wollte Bürgermeister Michael
Forster mit einer Kranzniederle-
gung im Rahmen einer Gedenk-
veranstaltung an die März-Katast-
rophe erinnern. Corona hat dies
verhindert und vertagt.
Ein kollektives Erinnern ist aber
wichtig und wird immer wichti-
ger, weil die Zahl der Zeitzeugen
von Jahr zu Jahr abnimmt. Das
eben sieht auch Bürgermeister
Forster so.
Auf Anfrage erklärt der Verwal-
tungschef: „Die Erinnerung an
diese Opfer sollte uns auch Mah-
nung sein uns aktiv gegen eine
Wiederholung oder auch nur eine
Verharmlosung dieser furchtba-
ren Ereignisse einzusetzen.“ Fors-
ters Vorgänger imAmt, der zitierte
Buchautor Reiner Ulmcke, ordnet
den finalen Luftschlag auf Hom-
burg vom 14. März als „militä-
risch kaum notwendig“ ein. Die
Alliierten wollten mit ihren Luft-
angriffen in hiesiger Region den
Westwall überwinden, Boden-
truppen fanden bisweilen aber oh-
nehin kaum noch Widerstand
vor. Forster macht deutlich, dass
die Luftangriffe der Alliierten den
Zweck verfolgten Europa und
Deutschland vom Nationalsozia-
lismus zu befreien. Insofern
mahnt er in Erinnerung der
Schrecknisse vor 75 Jahren: „Wir
sollten keineswegs aufrechnen,
angesichts der Opfer in der deut-
schen Bevölkerung; das von Deut-
schen begangene Unrecht keines-
wegs kleinreden, aber auch keines-
falls das Leid der Deutschen
missachten.“
Die in über sieben Jahrzehnten ge-
fundene Position zwischen
Schwarz und Weiß hat dazu ge-
führt dass aus Feinden Freunde ge-
worden sind. Deren Aufgabe liegt
nun darin gemeinsam den Kampf
gegen die Ausbreitung des Corona-
Virus zu gewinnen.(apo)
Seit Bekanntwerden des Klima-
schutzpaketes der Bundesregie-
rung stellen sich zahlreiche Haus-
besitzer die Frage:Was passiert mit
meiner Ölheizung? Manche Mel-
dungen erwecken den Eindruck,
sie müsste 2026 abgeschafft wer-
den. Doch das stimmt nicht.
„Nach derzeitigem Stand ist es so,
dass bestehende Ölheizungen
auch über das Jahr 2026 hinaus
betrieben und modernisiert wer-
den dürfen“, erklärt Adrian Wil-
lig, Geschäftsführer des Instituts
für Wärme und Oeltechnik
(IWO).
Bis einschließlich 2025 können
Heizkessel auch ohne weitere
Maßnahmen gegen moderne Öl-
Brennwertgeräte ausgetauscht
werden. „Das lohnt sich, denn ein
effizientes
Öl-Brennwertgerät
UNSICHERHEIT WEGEN KLIMASCHUTZPAKET:
Wer zu Hause eine Ölheizung hat, kann sie ohne Sorgen modernisieren
Ölheizungen dürfen über 2026 hinaus betrieben werden
kann den Heizölbedarf gegenüber
einem alten Kessel deutlich redu-
zieren“, betont Willig. Auch ab
2026 sollen effiziente Öl-Brenn-
wertgeräte weiter eingebaut wer-
den dürfen. Etwa dann, wenn sie
erneuerbare Energien wie Solar-
energie mit einbinden oder wenn
kein Gas- oder Fernwärmenetz
vorhanden ist und keine erneuer-
baren Energien anteilig integriert
werden können. Ist die Ölheizung
bereits mit einer Solaranlage kom-
biniert, soll der Austausch des al-
ten Kessels gegen ein Öl-Brenn-
wertgerät auch künftig ohne wei-
tere Anforderungen möglich sein.
Andere Regeln gelten nur in Ba-
den-Württemberg: Hausbesitzer
müssen bei einer Modernisierung
einer Gas- oder Ölheizung schon
jetzt mindestens 15 Prozent er-
neuerbare Energien einbinden.
Für den Einbau neuer Öl-Hybrid-
anlagen gibt es weiterhin staatli-
che Fördergelder. Finanziell unter-
stützt wird die Integration der er-
neuerbaren Komponenten, etwa
einer Solaranlage, mit 30 Prozent
der Investitionskosten. Zusätzlich
gibt es zudem nichtstaatliche För-
deraktionen, zum Beispiel von
Heizgeräteherstellern. Und die er-
neuerbaren Energien können
auch unabhängig von der eigent-
lichen Heizungsmodernisierung
in einem zweiten Schritt integriert
werden.
Mit Hochdruck wird zudem an al-
ternativen, treibhausgasreduzier-
ten beziehungsweise -neutralen
flüssigen Brennstoffen geforscht.
Dazu gehören fortschrittliche Bio-
Brennstoffe, abfallbasierte Brenn-
stoffe und E-Fuels. Durch sie sol-
len ölbeheizte Gebäude künftig
klimaneutral betrieben werden
können.
Bereits heute werden ausgewählte
Häuser mit klimaschonenderem
Heizöl versorgt. Das IWO etwa be-
treut mehrere solcher Modellpro-
jekte, die ihren CO2-Ausstoß
deutlich reduziert haben. Unter
gibt es al-
le Infos zum Klimaschutzpaket
und Ölheizungen sowie den Mo-
dellprojekten. (djd)
Die Ölheizung kann klimafreundlicher werden.
FOTO: DJD/IWO - INSTITUT FÜR WÄRME UND OELTECHNIK
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